Newsletter 02/2026

Das traumatisierte Nervensystem verstehen

Viele von euch haben mir in den letzten Monaten beschrieben, wie sehr ihr Körper manchmal schneller reagiert als der Kopf: plötzlich eine Welle von Angst, ein Ziehen im Brustkorb, eineNervensystem und Trauma 1 innere Unruhe, die sich kaum zuordnen lässt. Ich kenne diese Beschreibungen gut aus meiner täglichen Arbeit und ich weiß, wie verunsichernd diese Reaktionen wirken können.

Vielleicht kennst du das auch:
- Dein Körper geht in Alarm, ohne dass ein konkreter Auslöser erkennbar ist.
- Du möchtest ruhig bleiben, aber etwas in dir spannt sich an, als würde es „Gefahr“ wittern.
Diese Erfahrungen haben nichts mit Schwäche zu tun. Sie sind Ausdruck eines Nervensystems, das einmal überfordert wurde und das gelernt hat, dich zu schützen. Trauma lebt nicht in der Erinnerung allein. Trauma lebt im Körper.

Was geschieht im traumatisierten Nervensystem?

Ein Nervensystem, das Trauma erlebt hat, arbeitet nach anderen Regeln. Nicht, weil es „kaputt“ wäre, sondern weil es über lange Zeit in einem Zustand erhöhter Wachsamkeit bleiben musste. Es sieht schneller Gefahr. Es reagiert schneller. Es beruhigt sich langsamer. Je nachdem, welche Erfahrungen geprägt haben, kann das Nervensystem zwei typische Richtungen einschlagen.

Übererregung (Fight/Flight)
Innere Unruhe, Panik, Herzrasen, Schlafprobleme, das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen.

2Untererregung (Freeze/Shutdown)
Erschöpfung, emotionale Leere, Rückzug, Gefühl von „ich komme nicht mehr an mich heran“.

Beides sind keine Fehlfunktionen. Es sind Schutzreaktionen. Wenn du das verstehst, beginnt sich etwas zu verändern. Die Selbstverurteilung wird leiser. Und du kannst anfangen, liebevoller mit dir umzugehen.

Hand auf Bauch und Brust 1

Warum Verständnis ein erster Schritt der Heilung ist

Viele Menschen glauben, Heilung beginne mit großen Veränderungen. In Wahrheit beginnt Heilung damit, dass du verstehst, was in dir geschieht. Das Nervensystem ist nicht dein Gegner. Es versucht, dich zu schützen – manchmal zu stark, manchmal zur falschen Zeit, aber immer mit einer ursprünglichen Absicht: Überleben.

Wenn du erkennst, dass dein Körper nicht „überreagiert“, sondern reagiert, weil er gelernt hat, wachsam zu sein, entsteht eine neue Haltung: nicht mehr gegen dich, sondern mit dir.

Ein kleiner Schritt für deinen Alltag

Nimm dir heute oder in den nächsten Tagen einen Moment und lege eine Hand auf deinen Brustkorb oder deinen Bauch. Spüre für einen Atemzug die Wärme deiner Hand.

Frage dich: „Was braucht mein Nervensystem gerade – mehr Aktivierung oder mehr Ruhe?“

Du musst diese Frage nicht beantworten können. Allein das Stellen der Frage verändert etwas. Dein System hört, dass du dich ihm zuwendest.

 

Einladung zur gemeinsamen Arbeit

Vielleicht spürst du beim Lesen, dass es entlastend wäre, diesen Weg nicht ganz allein gehen zu müssen. In meiner therapeutischen Arbeit begleite ich Menschen genau dort, wo das Nervensystem noch angespannt, wachsam oder erschöpft reagiert – und wo ein sicherer Rahmen hilft, die eigenen Muster besser zu verstehen. Unsere gemeinsame Arbeit orientiert sich immer an deinem Tempo. Manchmal beginnen wir mit Regulation und Erdung, manchmal mit dem Erkennen von alten Schutzreaktionen, manchmal mit dem vorsichtigen Wiederbezug zu Körperempfindungen. Jeder Mensch bringt eine eigene Geschichte und ein eigenes Nervensystem mit – und genau darauf stellen wir uns ein. Wenn du dir Unterstützung wünschst, kannst du reguläre Termine jederzeit selbst über meinen Online-KalenderOnline-Kalender buchen. Nur für echte Notfallsituationen bitte ich um eine kurze Nachricht per E-Mail.

 

 

 

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