Newlsetter 01/2025

Was ist Angst wirklich? Ursachen und Missverständnisse

person suffering from anxiety minAngst ist ein universelles Gefühl, das jeder Mensch kennt. Sie begleitet uns in vielen Lebenssituationen, von einer bevorstehenden Prüfung bis hin zu größeren Lebensentscheidungen. Doch verstehen wir unsere Angst oft gar nicht. Wir empfinden sie als unangenehm, lästig oder sehen sie als Zeichen von Schwäche und kämpfen dagegen an. 

Tatsächlich hat Angst eine tiefere Bedeutung und kann – richtig verstanden – ein wertvoller Wegweiser sein.

Angst als Schutzmechanismus

Angst ist zunächst eine natürliche Reaktion des Körpers. Sie dient dazu, uns vor Gefahren zu warnen und zu schützen. Diese Reaktion ist evolutionär tief in unserem Nervensystem verankert. Wenn wir uns bedroht fühlen, schaltet unser Körper in einen Alarmzustand: Das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an, und die Sinne werden geschärft, damit wir uns vor einem Angriff oder einer anderen akuten Gefahr schützen können. 

Angst hat also eine zentrale Rolle als Lebensretter. Sie sorgt dafür, dass wir Gefahren rechtzeitig erkennen und instinktiv reagieren können. Ohne diese Schutzfunktion wäre das Überleben unserer Vorfahren in einer Welt voller Raubtiere und anderer Bedrohungen nicht möglich gewesen. Angst ist also keine Schwäche, sondern ein tief verankerter Mechanismus, der unser Leben bewahrt.

Zwar erleben wir heute selten lebensbedrohliche Situationen wie damals, als wilde Tiere eine reale Gefahr darstellten. Jedoch reagieren wir mit ähnlichen körperlichen und emotionalen Symptomen auf Stressfaktoren wie beruflichen Druck, zwischenmenschliche Konflikte oder persönliche Unsicherheiten, die häufig auf falschen Annahmen über uns selbst beruhen, die jedoch ihre guten Gründe haben. Diese sind uns aber häufig nicht bewusst. Unsere körperliche Reaktion bleibt gleich, auch wenn die Bedrohung eine ganz andere ist und von innen kommt. Und genau hier beginnt das große Missverständnis.

 

 

Ursachen von Angst

Die Ursachen von Angst sind vielfältig und individuell. Sie können in äußeren Umständen, früheren Erfahrungen oder inneren Überzeugungen liegen. Deshalb nenne ich hier einige der häufigsten Gründe:

  • Frühkindliche und pränatale Erfahrungen: Traumatisierungen, die bereits im Mutterleib oder während der Geburt stattfanden, können tiefgreifende Ängste hinterlassen. Dies können Erlebnisse wie Stress der Mutter während der Schwangerschaft, schwierige Geburtsprozesse oder das Gefühl von Verlassenheit in den ersten Lebenswochen sein. 
  • Frühere Erlebnisse: Traumatische Erfahrungen oder Erlebnisse, auch nicht erinnerbare, die als überwältigend empfunden wurden, können tief in der Psyche verankert sein und sich später in Form von Angst zeigen. Gerade emotionale Vernachlässigung oder Verlust- und Trennungserfahrungen von Bezugspersonen in den ersten Lebensjahren können starke Ängste auslösen.
  • Ungünstige Glaubenssätze: Unbewusste, tiefsitzende Überzeugungen und Glaubenssätze wie „Ich bin nicht gut genug“ oder „Die Welt ist gefährlich“ können tiefe Angst auslösen, besonders in Situationen, die als bedrohlich wahrgenommen werden.
  • Überforderung im Alltag: Dauerhafter Stress oder das Gefühl, Anforderungen nicht gerecht zu werden, können Ängste hervorrufen, die sich oft in körperlichen Symptomen wieUrsprung min Unruhe oder Schlafstörungen äußern. Auch wenn man nie Zeit hat, sich einmal wahrzunehmen, können Angst oder Panik zum Warnsignal werden, mit dem man dann nicht umzugehen weiß. 
  • Familiäre Prägungen: Ängste können auch durch Familienmuster, durch das Erleben von ängstlichem Verhalten der Eltern entstehen und wie die epigenetische Forschung immer öfter nachweist: sie kann sogar genetisch ererbt sein.
  • Biologische Faktoren: Manchmal spielen auch genetische oder neurobiologische Komponenten eine Rolle, etwa ein empfindlicheres Nervensystem oder bestimmte Krankheiten.

Häufige Missverständnisse über Angst

Angst wird oft als Schwäche interpretiert oder als etwas, das man „einfach überwinden“ sollte. Man will sie einfach nicht haben und unternimmt alles, um sie zu unterdrücken. Diese Haltung führt jedoch häufig zu zusätzlichem Druck und kann die Angst verstärken. 

Denn unsere Angst ist keine Schwäche – sie ist ein Signal, dass etwas im Inneren Aufmerksamkeit braucht. Sie ist vergleichbar mit einem Alarmsystem, das nicht ignoriert, sondern verstanden werden sollte.

Ein weiteres Missverständnis ist, dass Angst rein rational gelöst werden kann. Doch unsere Angst entspringt nicht primär dem Verstand, sondern tieferen Ebenen des Unterbewusstseins. Deshalb hilft es wenig, sich einzureden, dass „alles in Ordnung ist“, wenn die innere Wahrnehmung etwas anderes sagt.

Angst verstehen und annehmen

Angst ist wie eine Botschaft, die uns auf etwas hinweist. Indem wir uns Zeit nehmen, genauer hinzuschauen, kann sie ihren Schrecken verlieren. Einige hilfreiche Fragen könnten sein:

  • Was löst meine Angst aus? Gibt es eine konkrete Situation oder einen Gedanken?
  • Welche Erfahrungen oder Überzeugungen könnten dahinterstehen?
  • Was brauche ich, um mich sicherer zu fühlen?

Dieser Prozess erfordert Geduld und Mitgefühl mit sich selbst und benötigt oft die Hilfe eines erfahrenen Begleiters, der uns vor allem dabei hilf zu verstehen: Angst will uns nicht schaden, sondern schützen. Sie zeigt uns, wo Veränderungen, Heilung oder eine Neubewertung nötig sind.

Der Weg aus der Angst

weg aus der Angst minAngst zu verstehen und zu bewältigen, ist ein Prozess, der Zeit und Achtsamkeit erfordert. Oft hilft es, sich professionelle Unterstützung zu holen, um die tieferen Ursachen zu erkennen und neue Wege im Umgang mit der Angst zu finden. 

Ich arbeite mit tiefenpsychologischen Ansätzen wie z.B. der Arbeit mit inneren Bildern oder dem Hinterfragen unbewusster Überzeugungen, die eben durch die körperlichen Angstsignale zeigen, dass sie jetzt bereit sind, angegangen und gelöst zu werden. Und das kann häufig schneller als gedacht dabei helfen, mit der Angst einen neuen Umgang zu finden, das zu ändern, was sich ändern soll, und zu einer neuen inneren Balance zu finden. 

    Es ist wichtig zu erkennen, dass Angst und Panik nicht das Ende sind, sondern ein Neubeginn. Sie bieten die Chance, sich selbst besser kennenzulernen und ein Leben mit mehr innerer Freiheit zu gestalten.

    Möchtest du die körperlichen Botschaften deiner Angst besser verstehen? Vereinbare einen Termin, um gemeinsam Wege zu mehr innerer Balance zu finden.

     

     

    Hinweis: Schwere oder akute Angststörungen, die mit stark einschränkenden Symptomen oder begleitenden psychischen oder körperlichen Erkrankungen einhergehen, gehören stets in die Hände von Ärztinnen und Ärzten oder psychiatrischen Fachkräften. Eine umfassende medizinische Abklärung ist in solchen Fällen essenziell, um geeignete Behandlungsmaßnahmen einzuleiten. Dann kann auch eine psychotherapeutische Behandlung zusätzlich erfolgen.

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