Michael Ende - Roman eines Lebens

DIE GANZE WELT IST EINE GROSSE GESCHICHTE UND WIR SPIELEN DARIN MIT

Eine große Romanbiografie über Michael Ende

Roman eines LebensMichael Ende (1929-1995) war nicht nur mein erster Lieblingsautor, der trotz seines Ablebens immer berühmter wird, sondern auch ein faszinierender und ungewöhnlicher Mensch. Aus seinem Nachlass erscheinen noch immer (Hör)-Bücher, wie eben jenes, das seine Notizen zur Hilfe nimmt und ihn zum Fokus hat. Seine Fantasie beflügelt nicht nur meine Welt bis heute. Dieser Biografie-Roman stellt einen würdigen und liebevollen Nachruf dar und lässt den Leser eintauchen in die einzigartige Vorstellungswelt des widersprüchlichen und ungewöhnlichen Menschen Michael Ende.

Das erklärte Ziel dieses Buchs ist es, bewusst keine faktenorientierte Biografie darzustellen. Die gibt es schon. Die Autorin hat eher der Versuch unternommen, sich den Geheimnissen, die Michael Ende nicht preisgab, ebenso respektvoll wie poetisch zu nähern. Sein Leben wird aus seiner ganz speziellen Perspektive auf die Welt beleuchtet, der hinter dem Sichtbaren stets auch das Unsichtbare suchte.

2019 wurde dieser Roman von Charlotte Roth aus dem Nachlass Michael Endes zum 90. Geburtstag geschrieben. Inhaltlich kuratiert wurde der Roman von Michael-Ende-Kenner Roman Hocke, der oft für seinen Sohn gehalten wurde. Hier wird dem Innenleben des seit Generationen geliebten Autors auf eine wirklich besondere Weise nachgespürt - in einer wundersamen Fülle von Bildern, Schauplätzen und Begegnungen, aus der sich das Mosaik seiner ganz eigenen Geschichte zusammenfügt. Vor allem werden Zusammenhänge aufgezeigt, die nie zuvor so ersichtlich waren. Geheimnisse werden in seinem Stil angedeutet, nie ganz aufgeklärt und es bleibt dem Leser überlassen, was er daraus für sich selbst macht.

Die Geschichte wird in knapp 14 Stunden Vorlesezeit von Shenja Lacher einfühlsam und authentisch gelesen, seine Stimme und Art zu lesen berührt und manchmal hört man ihn fast seufzen, bei dem, was er da ganz offensichtlich aus dem Herzen heraus vorträgt.

Warum empfehle ich dieses Buch?

Die Autorin/en haben m.E. etwas Einzigartiges geschaffen, indem Sie seine Notizen erweitern und in eine Geschichte fassen, die auf die liebevollste Weise auf die Hintergründe des berühmten Michael Ende schaut, die man sich nur vorstellen kann. Dabei werden die Schwächen der Protagonisten weder überbetont noch abgewertet. Gottseidank denkt man zwischendurch, denn die Kritiker seiner Zeit hatten wenig Freude daran, ein gutes Haar an ihm zu lassen. Seine späteren Erfolge konnte wahrlich niemand voraussehen. Er selbst hat nie für den Erfolg geschrieben, er schrieb aus seinem tiefstem Herzen.

Aus einer sehr freundlichen Perspektive werden Einblicke gegeben, warum er nur so werden konnte, wie er war. So manch eine schillernde Romanfigur aus seinen berühmtesten Werken wird autobiografisch verständlich. Und auch, wie er sie für sich zum Guten zu wandeln verstand! So ist der weise und gütige Meister Hora in MOMO z.B. an seinen Vater angelehnt und der Held Atreju aus der UNENDLICHEN GESCHICHTE einem Tier nachempfunden, das er als Kind liebte, Lukas der Lokomotivführer hat einen väterlichen Freund zum Vorbild. In seinen Geschichten spiegelt sich auch die Liebe seiner Mutter, die in allem, was er tat, stets das Gute sah und einen guten Ausgang für ihn wünschte und dafür Himmel und Hölle in Bewegung setzte und dies als ihr Lebenswerk ansah.

Die meisten Menschen in seiner Geschichte werden hier so freundlich und positiv betrachtet, wie nach der tiefen inneren Arbeit so mancher Klienten, die ihre alte Geschichte neu geschrieben haben und diese nun aus einer anderen Perspektive verstehen und lieben können. In diesem Buch kann man verstehen lernen, wie er sich darin kreativ den Herausforderungen seines Lebens stellt und sie zu einem guten Ende führt. Im wahren Leben waren diese Vorbilder keineswegs so ideal, wie sie denn in den Büchern wurden. Und genau damit kann Heilung in der tiefsten Seele geschehen. Michael Ende hat sich diese Einsichten selbst mühsam und alles zur rechten Zeit mit langen Pausen dazwischen erarbeitet, wie jeder Mensch das auf seine Weise irgendwann tun dürfte, wenn er nur wüsste wie. Die Autoren haben hier genau das getan: sie haben es einfach weiter ausgebaut und sanft aufgezeigt. 

Aus psychologischer Sicht betrachtet hat Michael Ende sehr alte mythologische Wege beschritten und viele seiner Helden haben stets auch das dunkle Tal der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit durchschreiten dürfen, bevor sie daraus auf die eine oder andere Weise erlöst wurden. Doch schrieb er NIE nach Schema F. Er wartete machmal wochenlang, monatelang, ja jahrelang, bis die richtige Idee zu ihm kam. Und diese hat er dann auch beibehalten, egal was andere dazu meinten. Und genau das begeistert. Denn es ist wird ja immer unvorstellbarer, genau so was zu tun.

Langweilig wurde es mir in dieser Biografie NIE. Und ich hatte bereits eine andere gehört und hatte den Eindruck, man ist wirklich so nah wie möglich am Original geblieben. Und ich bin mir sicher, auch in Zukunft werde ich alle paar Jahre wieder seine Hauptwerke Jim Knopf, Momo und die unendliche Geschichte wieder lesen.

Über den Inhalt

Die Geschichte beginnt mit dem Kennenlernen der Eltern, Schwangerschaft und Geburt. Als KindMichaelEnde eines Künstlers wächst er als einziges Kind in armen, aber herzlichen Verhältnissen auf. Seine Mutter ist deutlich älter als sein Vater. Die Erzählung erstreckt sich über seine Kindheit, den wunderbar verspielt-künstlerischen Einfluss seiner Eltern in jüngsten Jahren, in einer Nähe, wie nur die Armut der damaligen Zeit sie schaffen konnte. Er lernt früh, in eine innere Welt zu flüchten, und tut sich nicht immer leicht, die Realität von der Phantasie zu unterscheiden, doch rettet dies oft genug seine seelische Gesundheit. Die Ehe der Eltern bleibt in schweren Zeiten nicht harmonisch und das fördert seine Fluchten nach innen.

Ein Abschnitt berichtet von den schweren Jahre in der Schule in der Nazizeit und somit vor, während und nach dem 2. Weltkrieg. Gerade die Künstlerfamilie wurde davon besonders gebeutelt. Diese Zeit wird auf eine Weise beschrieben, die dem Leser, der solche Geschichten zuhause nicht hörte, einen wichtigen Eindruck hinterlassen kann: wie gut es uns heute geht und wie es dazu kam, dass wir uns verhalten, wie wir es heute tun. Der Zuhörer erlebt seine ersten Entwicklungsschritte in der Schule, mit der Walldorf-Pädagogik, seine Versuche als Schauspieler und seine ersten Schritte als Schriftsteller mit.

Eingeweihte wissen heute auch, wie ungeheuer Michael Endes Mutter und seine Fürsorge für sie ihn in späteren Jahren belastete, nachdem sein Vater die sich aufopfernde Ehefrau, mit der er nur noch stritt, für eine junge Liebe verlassen hatte. Im Roman wird schrittweise im Lauf der Jahrzehnte seines Lebens verständlich, warum: Die hingebungsvolle und später klammernde Liebe einer einsamen Frau, die selbst im Waisenhaus aufwachsen musste, hat ihn zu dem gemacht, was er geworden ist. Sie hat immer an ihn geglaubt, immer für ihn gekämpft. Und Michael Ende kann doch später nicht anders, als es seinem Vater in gewisser Weise nachzumachen, für die Freiheit in der Liebe zu plädieren und doch seine Frauen nicht zu verlassen. Mit seinem Vater, der es ihm durchaus auch sehr schwer machte und ihn enorm herausforderte fand eine späte Versöhnung statt und er nutzte dessen Bilder als Grundlage für Geschichten.

Die große Leidenschaft seines Vaters, die Malerei, die dieser ebenso ernsthaft betrieb wie sein Sohn, hat Michael's Mutter für seine Kunst und Leidenschaft alles abverlangt: sie musste von Anfang an fast alles Geld für die ganze Familie verdienen, sich um alles kümmern und stets passte sie sich an, für ihren großen Traum: Ihrem Kind das glücklichste Leben zu bieten, zu dem sie fähig war und sich einen Mann zu erhalten, den sie so bewunderte. Und als er endlich etwas verdiente, war er nicht mehr bei ihr. Auf sehr einfühlsame und im Nachhinein sehr verständliche Weise wird hier erklärt, warum sie sich so verhielt: wie alle wirklich liebenden Eltern, gab sie das, was sie selbst nie bekam, nie hatte und somit für das Beste hielt.

michael ende jungDie Zuhörer dürfen Michael Ende durch sein ganzes Leben begleiten. Es gibt viele Fragen, die man sich über ihn dabei stellen kann. Dieser faszinierende und wohl auch sehr gut aussehende große Mann war vielleicht anfänglich ein Muttersöhnchen, das sich zu lösen lernen musste, Sohn eines verrückten und exzentrischen Künstlers, wuchs in tiefster Armut auf und erreichte das unvorstellbarste Einkommen für sich selbst, mit dem er dann auch nicht umzugehen wusste und das er wieder ohne eigene Schuld verlor. Er hatte keine eigenen Kinder und doch fasziniert er bis heute die Kinder dieser Welt. Er war exzentrisch wie sein Vater, konnte nicht treu sein und war es letztlich so gut er konnte sich selbst. Er lebte gern das Dolce Vita und ging scheinbar leichtfüßig durch schwerste Zeiten ohne jegliches Einkommen. Er war verletzlich, authentisch, ein Freigeist und dem guten Wein zugeneigt, diskutierte und palaverte für sein Leben gern und brauchte immer gute Zuhörer.

Sehr berührend ist immer wieder zwischen den Zeilen zu erkennen, es ist in keiner Welt einfach, einfach mal "ICH SELBST" sein zu wollen, dem wahren eigenen ICH zu begegnen. Es war auch für ihn ein beständiger Kampf mit großen Höhen und Tiefen. Er brachte es tatsächlich fertig, Ehefrauen zu finden, die ihn wie seine Mutter förderten und stützten, sich für ihn aufgaben. Und taten sie es, weil sie ihn unbedingt haben und halten wollten wie seine Mutter seinen Vater oder hat er nach ihnen gesucht? War seine Mutter sowohl das größte Geschenk als auch die größte Bürde seines Lebens? Das kann wohl nur er beantworten. Oder fragen Sie sich vielleicht einmal selbst, ob nicht jeder Mensch einmal ein größtes Geschenk auch als größte Herausforderung oder größten Schmerz erlebt hat?

Das Buch zeigt auch den Wandel der Zeit. So wie er damals nach seinen Geschichten grub im dunklen Nichts, schreiben vielleicht heute viele junge und alte Autoren - wenn sie es denn wagen, so tief wie er zu gehen. Er musste seine Geschichten dann gegen die Welt, die ihm Anpassung abverlangte, hilflos und doch immer authentisch verteidigen, er zahlte oft dafür einen hohen Preis und dann ging es irgendwie sogar gut weiter. Besonders herausfordernd war für ihn die Hollywood-Verfilmung der "Unendlichen Geschichte", mit dessen Ergebnis er so gar nicht einverstanden sein konnte auch wenn sie seinen Erfolg noch steigerte.

Auch das wird einem jeden authentischen Menschen abverlangt: Was ist meine Wahrheit und was kostet es mich wirklich, wenn ich sie aufgebe für etwas, das dann ein Leben lang "Second Best" ist?

Besonders gefallen hat mir ein Zitat in dem Buch:

Wenn es scheinbar keinen Ausweg gibt
dann gibt es vielleicht auch gar kein Gefängnis

Mehr will ich nicht verraten, ich will keinen Spoiler schreiben. Wenn Ihnen die Werke von Michael Ende gefallen haben, Sie sie selbst gelesen haben, Ihren Kindern vorgelesen haben oder Ihren Enkeln vorlesen möchten, dann interessiert Sie vielleicht diese wunderschön geschriebene Biografie, die keine sein will oder sein muss, vielleicht lädt sie Sie ein, der Poesie in Ihrer eigenen Seele zu begegnen, die dort verborgen liegt. Viel Weisheit über das Leben wird ihn ihnen vermittelt, ebenso wie in diesen Zeilen.

Vielleicht schreiben Sie auch einfach mal eine eigene Geschichte? Sie muss nicht großartig sein, keine Preise gewinnen: Sie ist einfach "nur" eine Geschichte Ihres Herzens und wer weiß, was das in Ihrem Leben bewirken kann?

Ich wünsche Ihnen dasselbe Hörvergnügen, wie ich es hatte und sicher noch einmal haben werde. Es gibt Bücher, die hört oder liest man gerne mehr als einmal. Bei den Werken dieses Autors kann ich nicht mehr zählen, wie oft ich sie schon wieder gelesen oder gehört habe! Und auch diese Roman-Biografie höre ich mir gerne noch einmal an.

Mein Wirkungskreis

Vorort in meiner Praxis
in Schifferstadt

Im Umkreis
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Heilpraktiker für Psychotherapie
in Schifferstadt auf jameda